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Tobias Haberl beschreibt gekränkte Männer

Als Mann hat man heute drei Möglichkeiten: Man kann resignieren, aggressiv oder nachdenklich werden. Tobias Haberl hat mal eine Psychoanalyse gemacht, vier Jahre lang, zwei Stunden pro Woche. Seither schafft er es nicht mehr, sich selbst zu belügen. Das macht sein Leben nicht leichter, glücklich wird er schon gar nicht. Tobias Haberl betont: „Wer über gekränkte Männer schreibt, kann vom Feminismus nicht schweigen.“ Er weiß nicht, ob Männer und Frauen von Natur aus verschieden sind oder nur unterschiedlich erzogen werden. Er hat keine Ahnung, ob Frauen weniger Kriege führen würden, kann es sich aber gut vorstellen. Der Literaturwissenschaftler Tobias Haberl schreibt für das „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Sein letztes Buch „Die große Entzauberung – Vom trügerischen Glück des heutigen Menschen“ wurde ein Bestseller.

Männer sollen kein Risiko scheuen

Aufrichtigkeit kann wehtun, Aufrichtigkeit kann auch mal danebengehen, Tobias Haberl findet nicht, dass man deshalb auf sie verzichten sollte. „Man kann nicht immer ein Held sein, aber man kann immer ein Mann sein“, hat Johann Wolfgang von Goethe geschrieben. Männern macht man oft den Vorwurf, dass sie nicht selbstkritisch über ihre Privilegien nachdenken. Es gibt Männer, die arbeiten viel und machen sonst, worauf sie gerade Lust haben.

Im Jahr 1976 erscheint in Amerika das Buch „The Forty-Nine Percent Majority“: The Male Sex Role“, in dem ein neues Männerbild für die postindustrielle Ära vorgestellt wird, das aus vier Säulen besteht. Erstens sollen sich Männer nicht wie Frauen benehmen. Zweitens gehört es zu ihrer Pflicht, dass Männer Erfolg, Prestige, Macht und Ansehen anstreben. Drittens sollen Männer unabhängig sein, keine Gefühle zeigen und durch entschlossenes Handeln überzeugen. Viertens erwartet man von Männern, dass sie mutig nach vorne schauen und kein Risiko scheuen.

Männer diskriminieren Feministinnen als Kratzbürsten

In den späten Siebziger- und Achtzigerjahren macht die Gesellschaft eine Rolle rückwärts. Tobias Haberl erklärt: „Männer haben Feministinnen so lange als Kratzbürsten diskriminiert, dass junge Frauen keine mehr sein wollen.“ Frei nach Charles Bukowski, der schreibt, dass Feminismus nur existiere, um hässliche Frauen in die Gesellschaft zu integrieren. Herbert Grönemeyer singt, dass Männer außen hart und innen ganz weich sind. Deutschland wird von einem riesigen Mann aus der Provinz regiert, der am liebsten Saumagen ist.

Es gibt sie schon, die Latzhosen und Lichterketten, aber sie bleiben ein Hintergrundrauschen, ehrlich gesagt kriegt Tobias Haberl sie gar nicht mit. Männer, die auf sich halten, tragen Anzüge und sitzen in Büros mit spektakulärer Aussicht und Sekretärin im Vorzimmer, die sie „Fräulein“ nennen. Tobias Haberl ergänzt: „Alle paar Wochen brechen sie zu einer Dienstreise auf, um sich der eigenen Bedeutsamkeit zu versichern. Nach drei Tagen kommen sie zurück nach Hause, werfen den Mantel in die Ecke und fragen, was es zu essen gibt.“ Quelle: „Der gekränkte Mann“ von Tobias Haberl

Von Hans Klumbies

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